Vinzenz von Paul

Gedenktag: 27. September

24. April 1581 in Pouy bei Dax, Frankreich
27. September 1660 in Paris, Frankreich

Priester, Ordensgründer, Patron der Nächstenliebe, Schutzpatron aller caritativen Vereine

Biografie:

Vinzenz von Paul, der als drittes von sechs Kindern geborene Sohn der Bauernfanilie Depaul, wurde von seiner Familie zum Priesterberuf bestimmt. Im Alter von 14 Jahren begann er seine Ausbildung am damaligen Kolleg der Franziskaner in Dax, ab 1597 studierte er in Toulouse Theologie. Schon im Alter von 19 Jahren wurde der strebsame junge Mann, der Karriere machen wollte, zum Priester geweiht, fand aber keine Anstellung. Eine alte Dame vermacht ihm ein Erbe. Um dieses Erbe einzutreiben, begibt er sich auf dem Seeweg nach Marseille. Was er dabei erlebte, schilderte er in Briefen: so wurde er der Überlieferung nach von Seeräubern gefangen und als Sklave nach Tunis verkauft. Nach Aushilfstätigkeiten bei einem Fischer und einem Alchemisten landete er im Dienst eines muslimisch gewordenen ehemaligen Franziskaners, den er wieder zur katholischen Kirche zurückführte und mit dem zusammen er in einem Boot über das Meer zurück floh.

Schließlich wurde Vinzenz 1608 Priester in Paris und lebte in der Hoffnung, hier endlich auch finanziell Boden unter die Füße zu bekommen. In Paris vollzog sich eine innere Wandlung, nicht zuletzt dank der persönlichen Freundschaft zu Kardinal Pierre de Berulle, dem Gründer des Pariser Oratoriums, einer Wohn- und Lebensgemeinschaft von Priestern. Vinzenz wurde 1610 geistlicher Berater der Königin Margarete von Valois, ein hingebungsvoller Pfarrer, voll von seelsorglichem Eifer und unermüdlichem Einsatz für die Armen und Kranken, ab 1612 als Priester in Clichy - dem heutigen Stadtteil Clichy-la-Garenne in Paris.

Ab 1613 wirkte Vinzenz als Hausgeistlicher des Galeerengenerals de Condi. 1617 wurde er Pfarrer in Gannes bei Beauvais, bald darauf in Châtillon-les-Dombes - dem heutigen Châtillon-sur-Chalaronne. Hier gründete er noch im selben Jahr die erste Confrérie des Dames de la Charité, die Bruderschaft der Damen der Liebe, eine caritative Frauenvereinigung, die sich um Arme und Kranke sorgte. Der Ruf dieses sich im Dienst der Menschen verzehrenden Mannes verbreitete sich schnell. In immer mehr französischen Städten entstanden Bruderschaften der Nächstenliebe. 1621 folgte die Gründung der Laiengemeinschaft für Männer, die Serviteurs des pauvres, die Diener der Armen.

Noch im Jahr 1617 übernahm Vinzenz wieder das Amt des Seelsorgers bei Madame de Condi, 1619 wurde er oberster Seelsorger aller französischen Galeerensklaven. Tiefen Eindruck hinterließ 1618 seine Begegnung mit Franz von Sales, es entwickelte sich eine Freundschaft der beiden und Vinzenz wurde geistlicher Begleiter von Johanna Franziska de Chantal sowie Oberster der von diesen beiden gegründeten Salesianerinnen. 1625 gründete er selbst die Kongregation der Mission, nach dem Sitz der Gemeinschaft dem ehemaligen Priorat Saint Lazare, Lazaristen oder nach dem Gründer s auch Vinzentiner genannt. Ihre Hauptaufgabe ist die missionarische Arbeit und die Ausbildung des Klerus. Ab 1627 widmete er sich ganz der Arbeit mit und für seine Gemeinschaften. Ein besonderes Anliegen war ihm die Reform der Ausbildung der Priester, deren regelmäßige Zusammenkünfte und Predigtübungen; für sie hielt er Exerzitien und regelmäßige Konferenzen, bei denen sich die Elite des Klerus traf. Für sich selbst studierte Vinzenz in dieser Zeit Jura in Paris.

1633 folgte in Zusammenarbeit mit Louise de Marillac die Gründung der Filles de la Charité, der Töchter der christlichen Liebe, Dienerinnen der Armen. Die Aufgabe der Schwestern, die ohne Ordenstracht und nicht in klösterlicher Klausur, sondern vor Ort bei den hilfsbedürftigen Menschen lebten, war die Versorgung von Alten, Kranken und Waisen. Außerdem richtete Vinzenz die Dienstagskonferenz ein, in der führende Kleriker sich regelmäßig austauschten. 1636 gründete Vinzenz - wieder zusammen mit Louise de Marillac - ein Hilfswerk für Lothringen, 1638 begann die Gründung von Waisenhäusern, denn mehr als 400 Kinder wurden jedes Jahr allein in Paris ausgesetzt. Bei Volksaufständen gegen die absolutistische Herrschaft des Königshauses richtete er in Paris Volksküchen und Lazarette ein und half so vielen Opfern des Bürgerkrieges. 1640 intervenierte er bei Kardinal Richelieu gegen dessen Angriff auf die damals spanische Festung Perpignan, den Richelieu zur Schwächung der katholischen Habsburger unternommen hatte, 1643 begleitete Vinzenz König Ludwig XIII. beim Sterben und wurde zum Mitglied im Regentschaftsrat ernannt.

1646 folgte die Gründung der Missionen in Algier und in Tunis, 1648 der Mission in Madagaskar. Beim Aufstand des Hochadels gegen die Einschränkung ihrer Feudalrechte mahnte er 1649 Richelieus Nachfolger Kardinal Mazarin, keine bewaffneten Gegenmaßnahmen zu ergreifen, was zunächst tatsächlich nicht erfolgte und den Aufstand der Fronde - einstweilen - gelingen ließ. Als 1651 die Auseinandersetzungen kriegsähnliche Zustände annahmen, organisierte Vinzenz Hilfsaktionen in der Picardie, der Champagne sowie in und um Paris.

Als Vinzenz von Paul am 27. September 1660 in Paris stirbt, hat er die Hilfe für Notleidende Menschen grundlegend neu organisiert. Er gilt als Begründer der neuzeitlichen Caritas.

 

Seligsprechung: 13. August 1729 durch Papst Benedikt XIII.

Heiligsprechung: 16. Juni 1734 durch Papst Clemens XII.