Ghebre Michael

Gedenktag: 14. Juli (allgemein), 30. August gebotener Gedenktag bei den Lazaristen, (Vinzentiner) und bei den Barmherzigen Schwestern

* 1788 in Goggiamici, Äthiopien
† 28. August 1855 in Äthiopien

Mönch, Priester, Martyrer

Biografie:

Ghebre Michael wurde 1788 in Goggiamici in Äthiopien geboren und in der koptischen Kirche getauft. In jungen Jahren verlor er durch einen Unfall sein linkes Auge.  Ghebre Michael war ein Gottsucher und trat deshalb in ein koptisches Kloster ein.

Ghebre Michael war ein begabter Student. Sein größtes Interesse galt der Geschichte des Mönchtums. Bei seinen Studien stellte er fest, dass in vielen Klöstern seiner Heimat das monastische Leben in einer Krise war. Viele Mönche lebten nicht mehr nach den überlieferten Lehren und Traditionen und das geistliche Leben wurde mehr und mehr vernachlässigt. Ghebre Michael bereiste viele Klöster und reformierte dort das geistliche Leben. Besonderen Wert legte er dabei auf die theologische Bildung der Mönche.

Um seine theologischen Forschungen weiterzuführen beschloss Ghebre Michael nach Jerusalem zu gehen. Für die Reise nach Jerusalem schloss er sich einer Delegation seiner Kirche an, die abgesandt war, um den Patriarchen von Konstantinopel um einen neuen Bischof für die äthiopische Kirche zu bitten, da der einzige Bischofsstuhl Äthiopiens im Jahr 1840-41 verwaist war. Dieser Reisegruppe gehörte auch der katholische Bischof Justinus de Jacobis an, der in Äthiopien durch seine Arbeit ein hohes Ansehen genoss. Das Verhältnis zwischen Justinus de Jacobis und Ghebre Michael war zunächst sehr distanziert, da Ghebre Michael den katholischen Bischof als nicht rechtgläubig ansah. Während der Reise fiel Ghebre Michael jedoch der tiefe Glauben und die große Frömmigkeit von Justinus de Jacobis auf. Diese beiden Eigenschaften vermisste Ghebre Michael bei seinen eigenen Glaubensbrüdern sehr. Auf seiner Suche nach Gott und seinem Willen wurde ihm mehr und mehr bewusst, dass er anders dachte als seine Glaubensgeschwister und dass er sich dadurch in der eigenen Kirche viele Feinde gemacht hatte. Auch der neu eingesetzte Bischof Abuna sah in Ghebre Michael einen Feind, der seinen eigenen Plänen entgegenstand. Mehrere Male entging Ghebre Michael Giftanschlägen von Anhängern des neuen koptischen Bischofs.

Ghebre Michael suchte das Gespräch mit dem neu ernannten Bischof der Kopten über seine Vision die Äthiopische Kirche zur ursprünglichen theologischen Wahrheit zurückzuführen. Dieses Gespräch wurde für ihn zu einem Misserfolg, weil der Bischof nur eigene Interessen vertrat, sich aber nicht offen zeigte für die Suche nach der Wahrheit.

Ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Jerusalem suchte Ghebre Michael Bischof Justinus de Jacobis auf, um mit ihm über seinen Glauben an die frohe Botschaft und sein Verständnis von einem christlichen Leben zu sprechen.

Ungefähr sechs Monate lang führte er intensive Glaubensgespräche mit Justinus de Jacobis. Danach entschloss er sich zusammen mit sechs anderen Mönchen, die wie er auf der Suche waren, ganz aus dem Evangelium heraus zu leben, in die katholische Kirche einzutreten.

Immer mehr wurde er zu einem wichtigen Mitarbeiter von Bischof Justinus de Jacobis. Durch seine Kenntnisse des Landes und der Menschen half er dem Bischof bei der Suche für einen festen Wohnsitz als Apostolischer Administrator für Äthiopien. 1851 wurde er von Bischof Justinus de Jacobis zum Priester geweiht.

Im Juli 1854 wurden Justinus de Jacobis, Ghebre Michael und vier andere Katholiken verhaftet, weil der koptische Bischof Abuna in ihnen Feinde seiner Kirche sah. Justinus de Jacobis sollte getötet werden, um nicht weitere Äthiopier zum katholischen Glauben zu führen. Ihm gelang jedoch die Flucht.

Ghebre Michael wurde 1855 zum Tod durch Erschießen verurteilt, nachdem er sich auch vor dem neugekrönten Kaiser der Äthiopier geweigert hatte aus der katholischen Kirche auszutreten. Durch die Fürsprache des britischen Konsuls wurde die Todesstrafe in eine lebenslange Haft umgewandelt.
Am 28. August 1855 starb Ghebre Michael an den Folgen von Folter und Haft.
Nach dem Tod von Ghebre Michael schrieb Justinus de Jacobis an den Generaloberen der Lazaristen Etienne, er möge Ghebre Michael in das Verzeichnis der Mitglieder der Kongregation der Mission aufnehmen, weil dieser um die Aufnahme gebeten habe, aber schon in Haft war, als die Aufnahme stattfinden sollte. Durch seinen frühzeitigen Tod konnte er dann nicht mehr der Gemeinschaft der Mission beitreten.

Seligsprechung: 3. Oktober 1926 durch Papst Pius XI.